Der Umbau - ein organischer Wachstumsprozess

Der Umbau des Garten Herlet ist keine einmalige Aktion, sondern soll schrittweise erfolgen. Die Idee: Der Garten wächst organisch mit seinen Gestaltern und Nutzern. In dem Umbauprozess spiegeln sich die zentralen Anliegen der GenerationenSchulGärten wider: „Natur“, „Lernen“ und „Generationen“. Denn Wachstum ist ein natürlicher Prozess, charakterisiert durch Lernen, Aufbau, Wandel durch Erfahrung, Stabilisierung etc. Der Garten durchläuft quasi verschiedene Lebensalter - er wird geboren, wächst heran, lernt, entfaltet nach und nach seine Potenziale, wird erwachsen und reift.

In einer Planungswerkstatt im Mai 2009 wurden mit den beteiligten Institutionen Ideen zur Gestaltung des Gartens erarbeitet, die Grundlage eines Planungsentwurfes der Stadt Koblenz waren. Dabei entstand eine sehr ambitionierte Vision, die nun Schritt für Schritt realisiert werden soll. Wichtige Prinzipien bei der Gartengestaltung sind dabei:

  • Barrierefreiheit: Rundwege mit Rollstuhl befahrbaren Belägen
  • funktionale Raumgliederung: individuell gestaltbare Hoch-/Tischbeete - wandelbare Flächen für gemeinsame Aktivitäten - naturnaher Spiel- und Erlebnisbereich,
  • geringe Folgekosten: pflegeleichte Bepflanzung außerhalb der Hoch-/Tischbeete, stabile Materialien etc..
  • Einblick“ in den Garten für die Öffentlichkeit

Ausbauplan Garten Herlet 2011

In einem ersten Ausbau-Schritt wurden bis zur Bundesgartenschau 2011 grundlegende Arbeiten verrichtet , die eine Nutzung als GenerationenSchulGarten ermöglichen, d. h. die Erdarbeiten zur Vorbereitung der Nutzbeete und anderen Grünflächen, Anlage der Wege sowie die Strom- und Wasserversorgung. Dazu wurde von einem Landschaftsarchitekten im Auftrag des Eigenbetriebs Grünflächen ein Entwurfs- und Ausbauplan entwickelt, der Anfang Januar 2011 von den städtischen Gremien beschlossen wurde. Danach fand ein weiteres Planungsgespräch mit den Akteuren (Diesterweg-Schule, St. Castor Grundschule, Stiftung ELTZERHOF, Imker aus Koblenz, Behindertenbeauftragter der Stadt Koblenz, Verein GenerationenSchulGärten Koblenz) statt. Hier hatten alle Aktiven noch einmal die Möglichkeit, ihre Wünsche und Bedürfnisse zum Garten Herlet darzulegen.

Ursprünglich sollte der Garten dann im Mai 2011 kurz nach Beginn der Buga eröffnet werden. Doch es kam anders: Bei Bodenuntersuchungen wurde festgestellt, dass die Bombardierung von Koblenz im Zweiten Weltkrieg auch an diesem unschuldigen Ort seine Spuren hinterlassen hatte: Schwermetalle und giftige organische Substanzen wurden zum Teil hundertfach über den Grenzwerten im Boden nachgewiesen. Als Folge davon musste der gesamte Boden ausgetauscht werden - welch ein Jammer, denn es war aus gärtnerischer Sicht ein fantastisches Substrat, seit Jahrhunderten bewirtschaftet, ein sehr humoser, lockerer, fruchtbarer Boden! Durch die teure Bodenentsorgung musste der ganze Plan noch einmal umgestellt werden, um an anderer Stelle Kosten zu sparen. Das wurde aber dann auch sehr kreativ umgesetzt. Für den teuersten Material-Posten, die Steine, wurde ein würdiger Ersatz gefunden: Statt neue Steine zu kaufen, wurde man auf dem Bauhof der Stadt fündig. Alte Bordsteine kamen als Beetabgrenzungen zum Einsatz, die ehemalige Verkleidung des Brunnens am Zentralplatz bildet heute das Pflaster rund um den Teich im Garten Herlet.

Am 22. September 2011 schließlich, drei Wochen vor Ende der Buga, fand die feierliche Eröffnung des Garten Herlet statt.

Raumstruktur

Der Zugang in den Garten Herlet erfolgt aus Richtung des Hochbunkers (Koblenzer Altstadt, Nagelgasse) und führt auf einem breiten, behindertengerechten Rundweg durch den Garten. Auf der großen Raseninnenfläche befinden sich die einzelnen Garten–„Claims“ (Schulgarten-Beete), die je nach Bedarf und Leistungsfähigkeit problemlos in die zentrale Rasenfläche integriert werden können. Im Randbereich des Gartens sind verschiedene Ruhezonen und Rückzugsplätze entstanden, damit sich Jung und Alt nach getaner Gartenarbeit ausruhen können.

Neben den Schulgarten-Beeten wurde der größte Teil der Fläche im Garten Herlet mit einer pflegeleichten Dauerbepflanzung gestaltet. Es sind verschiedene Themenbeete entstanden: einerseits natürliche Pflanzengemeinschaften unterschiedlicher Standorte (z. B. ein „Wald-Garten“ mit heimischen Wildstauden), andererseits Beete, die eine bestimmte pädagogische oder Erlebnisfunktion haben wie z. B. ein Färber-Garten. Die Pflanzen für die Bepflanzung der Dauerbeete im Garten Herlet wurden vollständig von der Fielmann AG gestiftet und stammen aus einem in seiner Art einzigartigen Wildpflanzen-Versand in der Pfalz. Die Beete wurden in verschiedenen Gemeinschaftsaktionen im Laufe des Jahres 2012 bepflanzt.

Im östlichen Teilbereich der Innenfläche ist ein naturnaher Spielbereich mit dem Element Wasser entstanden. Ein tiefes Teichbecken, eine Verlandungszone mit Kies, die man auf großen Findlingen "begehen" bzw. überqueren kann, bepflanzt mit heimischen Wildstauden prägen diesen Bereich. Gespeist wird der Teich durch Niederschlagswasser. Eine Teichpumpe wälzt das Wasser um, indem eine Leitung zu einem kleinen Sprudelstein führt, über den das Wasser über große Findlinge in die Verlandungszone plätschert.

Im westlichen Teilbereich, an der Grenze zum Innenhof am Görreshaus, ist auf einer wassergebundenen Wegedecke ein „Ort der Begegnung“ entstanden. Dort stehen Tische und Bänke, Schatten spenden große bunte Sonnenschirme - beides ehemalige Inventar-Gegenstände der Buga. Auch mehrere unterfahrbare Tischbeete sind dazu gekommen, die von BewohnerInnen des Alten- und Pflegeheims der Stiftung ELTZERHOF genutzt werden.

Zwei gespendete Hochbeete, von der Firma Stima und Gartenfrosch, ermöglichen eine rückenschonende Gartenarbeit.

Zukunftsmusik blieb bisher das geplante „Gartenfenster“, d. h. ein Durchbruch durch die Mauer zum Görreshof (gesichert durch einen Metallzaun), die den Einblick in den Garten und so der Öffentlichkeit ein wenig Teilhabe an dem Geschehen im Garten ermöglichen sollte. Als Provisorium ersetzt die seit dem Umbau abgesenkte Mauerkrone im seitlichen Bereich des Görreshofes das Gartenfenster. Hier kann man über die Mauer in den Garten schauen.

Der barrierefreie Umbau des Garten Herlet wird von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz mit 90.000 € gefördert. Den größten Teil der Kosten hat die Stadt Koblenz selbst übernommen. Schließlich hat auch der Verein „GenerationenSchulGärten Koblenz e. V.“ im Rahmen seiner bescheidenen Möglichkeiten bei der Ausstattung (Hoch- und Tischbeete, Bepflanzung der Randbeete) seinen Beitrag geleistet.

Organisationsstruktur

Der Verein „GenerationenSchulGärten Koblenz e. V.“ hat mit der Stadt Koblenz einen Nutzungsvertrag geschlossen, in dem festgelegt ist, dass

  • Bewirtschaftung und Pflege so weit es geht von den Nutzern übernommen werden,
  • im Falle, dass die Nutzer nicht mehr die Kapazitäten haben, den Garten zu bewirtschaften, die Nutzung und Pflege wieder an die Stadt übergeht. Die Stadt kann in diesem Fall die Bepflanzung so verändern, dass eine pflegeleichte Grünfläche entsteht.

Der Eigenbetrieb Grünflächen und Bestattungswesen der Stadt, der auch Bauherr bei der Neugestaltung des Gartens war, überwacht die Einhaltung der vertraglichen Pflichten seitens des Trägervereins bzw. der darin organisierten Nutzer (Schulen, ELTZERHOF etc.).

Vision

Im Garten Herlet sollen Jung und Alt gemeinsam werkeln, sich austauschen und begegnen – und so miteinander, voneinander und füreinander lernen. Aber der Garten soll nicht nur ein Begegnungs- und Lernort für die Akteure sein, sondern zum Zentrum des GenerationenSchulGarten-Netzwerks Koblenz und zu einem überregionalen Modell-GenerationenSchulGarten entwickelt werden.

Bei der Planungswerkstatt im Mai 2009 entstand deshalb ein weit ambitionierterer Plan als bis 2011 umgesetzt werden konnte. Diese Vision sieht zwei Bauwerke vor, die den Garten zum Innenhof des Görreshauses (Görreshof) hin erschließen: eine Zufahrtsrampe für RollstuhlfahrerInnen vom Görreshof in den Garten und ein kleines Gebäude. Der Görreshof ist der Öffentlichkeit durch die Veranstaltungen im Görreshaus (Konzerte etc.), aber auch als ruhiger, parkähnlicher Rückzugsraum und Treffpunkt inmitten des Trubels der Altstadt wohl bekannt.

Die Idee ist, in die Mauer zum Innenhof des Görreshauses einen Balkon einzulassen, von dem aus man in den Garten blicken kann. Dieser „Gartenbalkon“ ist damit der bauliche Ausdruck der öffentlichen Partizipation an dem Projekt. Unter dem Gartenbalkon soll die „Gartenwerkstatt“ entstehen, ein überdachter Raum im Garten, der als Treffpunkt, Aufenthaltsraum und für Veranstaltungen etc. genutzt werden kann. Damit er diesen Zweck erfüllen kann, soll er mit Heizung, Sanitäranlagen mit behindertengerechter Toilette, einem kleinen Wirtschaftsraum und einem Geräteraum ausgestattet werden.

Die Struktur der Gartenwege wird schon in dem jetzigen Ausbauplan vorgegeben durch die für spätere Ausbauschritte geplante Zufahrtsrampe für Rollstühle. Diese soll vom Görreshof aus entlang der N-exponierten Mauer in den Garten führen. Von den Zwischen-Plateaus der Rampe (überdacht mit Pergolen) aus sollen Wege an die gegenüberliegende Mauer führen. Die Pergolen der Zwischenplateus werden teilweise über die Wege weitergeführt bis zur anderen Seite des Gartens. Zwei W-O-verlaufende Wege verbinden die N-S-Wege zu einem Rundweg im Garten. Dieser Rundweg wurde bereits 2011 realisiert, die N-S-verlaufenden Zwischenwege sind eine Option für die Zukunft, wenn die Zufahrtsrampe gebaut wird.