Geschichte

Das Grundstück des Garten Herlet gehörte vom 15. Jhd. bis Ende des 19. Jhd. zum „Eltz-Kempenicher Hof“ und ist in alten Plänen als „Weinberg“ oder „Garten“ ausgewiesen. Es handelt sich damit wahrscheinlich um die einzige Fläche im Zentrum der Koblenzer Altstadt, die niemals bebaut war. Auch nach dem Verkauf der Eltz’schen Besitztümer blieb die Fläche kontinuierlich Gartenland, bis die letzte Besitzerin, Frau Agnes Herlet, den Garten im Jahr 1980 der Stadt Koblenz geschenkt hat. In der zugehörigen schriftlichen Vereinbarung heißt es u.a.:

„Die Stadt Koblenz soll, ohne dass hierfür eine rechtsverbindliche Verpflichtung begründet wird, den übertragenen Grundbesitz begrünen und älteren Menschen zugänglich machen, soweit dies mit den planerischen Vorstellungen der Stadt Koblenz in Einklang steht.“

Seit dem Tod der Erblasserin wurde der Garten nicht mehr bewirtschaftet (s. Foto Garten Herlet verwildert) und war bis Anfang 2009 nicht zugänglich. In dieser Zeit gab es ein jahrzehntelanges politisches Ringen um die künftige Nutzung des Gartens. Es gab etliche Bauvoranfragen für eine Nutzung als Parkfläche. Der für die Fläche zuständige städtische Eigenbetrieb Grünflächen machte sich gegen eine Bebauung stark, zum Einen aus Rücksicht auf die Wünsche der Erblasserin, zum Anderen wegen der Chance, eine (halb)öffentliche Grünfläche im historischen Zentrum der Stadt mit dessen extrem hohen Baudichte zu erhalten und aufzuwerten. Auch die öffentliche Meinung – gemessen an den in der lokalen Presse veröffentlichten Artikeln und Leserbriefen – machte sich gegen eine Bebauung stark.

Im Frühjahr 2008 geriet der Garten Herlet als zentrale Fläche für das Projekt GenerationenSchulGärten ins Gespräch. Er bietet viele Vorteile: Er gehört der Stadt Koblenz, ist zentral gelegen und rundum abgeschlossen (keine Gefährdung durch Straßenverkehr). Im Umkreis befinden sich mehrere Schulen unterschiedlicher Schularten sowie ein Alten- und Pflegeheim. Außerdem befindet er sich in unmittelbarer Nähe eines Kernbereichs der Bundesgartenschau 2011. Mit den interessierten Institutionen wurde nach einem Ortstermin am 07.05.2008 ein Grobkonzept zur gemeinsamen Nutzung des Gartens erarbeitet.

Der Eigenbetrieb Grünflächen brachte daraufhin einen Beschlussantrag in den Stadtrat, den Garten Herlet als Freifläche im Sinne eines GenerationenSchulGartens zu entwickeln.

Dieser Antrag wurde in der Stadtratssitzung am 29.01.09 einstimmig beschlossen. Motor für diese politische Entscheidung waren neben dem BUND und dem Eigenbetrieb Grünflächen insbesondere der Seniorenbeirat der Stadt Koblenz. Letztlich ausschlaggebend für die endgültige Absage an Pläne zur Überbauung des Grundstücks war die Existenz eines überzeugenden Alternativkonzeptes.

2009 – ein Probelauf im Garten Herlet

Nachdem der Stadtrat am 29.01.2009 den Beschluss gefasst hatte, den Garten Herlet im Sinne eines GenerationenSchulGartens zu entwickeln, wurde der Eigenbetrieb Grünflächen unverzüglich aktiv und organisierte Rodungs- und Räumungsarbeiten in Kooperation mit der CarMen gGmbH. CarMen, eine Organisation der Caritas, bietet in Zusammenarbeit mit der ARGE Koblenz u. a. Langzeitarbeitslosen eine Perspektive, indem diese in befristeten Arbeitsverhältnissen qualifiziert werden.

Damit war die Grundlage dafür geschaffen, dass die interessierten Schulen schon vor Projektbeginn ihre Schulgarten-Arbeit im Garten Herlet aufnehmen konnten. In mehreren Gemeinschaftsaktionen wurden provisorische Wege mit Holzhäckseln abgestreut, Beete angelegt, Unkraut gejätet etc. Oft waren BewohnerInnen des Alten- und Pflegeheims ELTZERHOF dabei, wenn die Schülerinnen und Schüler im Garten werkelten. Bei den größeren Gemeinschaftsaktionen sorgten das Alten- und Pflegeheim sowie der kreis e. V. für das leibliche Wohl der Aktiven.

Im Sommer waren die BewohnerInnen des Alten- und Pflegeheims ELTZERHOF aber auch häufig mit ihren BetreuerInnen oder BesucherInnen allein im Garten und genossen die Ruhe dieses geschützten Ortes inmitten der lebhaften Koblenzer Altstadt.

Aber nicht nur die beteiligten Institutionen haben den Garten genutzt, die Idee des GenerationenSchulGartens hat schnell „Schule gemacht“. So verbrachte auch eine Projektgruppe des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums einen Tag im Garten und half mit jugendlichem Eifer bei der Eindämmung des üppig sprießenden Wildwuchses – das Thema des Projektes hatte übrigens primär gar nichts mit „Garten“ zu tun, sondern es ging um das „Zusammenleben der Generationen“.

Karte mit Lage des Garten Herlet