Projektentstehung / Geschichte

2006: Die Idee entsteht

Kommt die Buga nach Koblenz? Wenn ja, dann ist das doch eine tolle Chance, das Thema Garten im Allgemeinen und das Thema Schulgärten im Besonderen ins Bewusstein der Öffentlichkeit zu rufen – und damit der – zumindest in der Region rund um Koblenz – „eingeschlafenen“ Schulgartenbewegung wieder Aufwind zu verleihen. Das dachte sich zumindest die damals freiberuflich tätige Geoökologin Dr. Birgitta Goldschmidt, als in Koblenz heiß um die Austragung der Bundesgartenschau 2011 diskutiert wurde.

Sie entwickelte ein Konzept für ein Schulgarten-Projekt in Koblenz und ging damit „hausieren“: Sie stellte es vielen Menschen vor und bekam wichtige Anregungen, wie das Konzept noch zu verbessern sei. Die zentrale Idee kam von einem Mitarbeiter des Koblenzer Amtes für Landschaftsplanung: Er schlug vor, in die Schulgartenarbeit die Seniorinnen und Senioren mit einzubeziehen.

Exkurs: Gartenkultur und die Generation 50plus

Die (private) Gartenkultur liegt in Deutschland heute in der Hand einer Generation, die mehr und mehr in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion gerät: die so genannte „Generation 50plus“. Seit der „Grünen Revolution“, der Industrialisierung und Globalisierung der Lebensmittelproduktion und –versorgung, hat der Garten als Garant für eine solide Selbstversorgung ausgedient. Die heutige Generation der Eltern und der Lehrkräfte an Schulen kann kaum noch gärtnerisches Erfahrungswissen an Kinder weitergeben. Überspitzt formuliert ist die private Gartenkultur in unserer Gesellschaft vom Aussterben bedroht.

Der Garten hat aber für die kulturelle und die Wertebildung eine grundlegende Bedeutung. Deshalb ist der Verlust dieser ältesten und universellen Landnutzungsform des sesshaften Menschen kein bedauernswertes Phänomen der Moderne, sondern der Wegfall eines der wesentlichen Orte der „Menschwerdung“.

Dieser Verlust kann nur durch eine Bildungsoffensive aufgehalten werden, mit der die Träger dieses Wissens, die heutige Generation der Großeltern, ihre Erfahrung und Fertigkeiten quasi als „Senior-Trainer und -Trainerinnen“ an zukünftige Generationen weitergeben. Hier zeigt sich ein konkreter Ansatzpunkt für das erklärte gesellschaftliche Ziel, die ältere Generation nicht als soziale Bürde zu betrachten, sondern als wertvolle „Ressource“ unserer Wissensgesellschaft.

Die Idee, ältere Menschen in Schulgarten-Konzepte einzubeziehen, ist aber nicht nur aus diesen gesellschaftlichen Erwägungen eine Notwendigkeit, sondern hat auch handfeste praktische Vorteile: Die Achillesferse vieler Schulgärten sind nämlich die Schulferien. An der Frage, wer in den Ferien den Garten pflegt, ist schon so mancher Schulgarten gescheitert. Eine mögliche Personengruppe für feste Schulgarten-Patenschaften sind ältere Menschen aus der Nachbarschaft oder z.B. auch Bewohnerinnen und Bewohner eines Altenheimes.

Diese Paten und Patinnen sind nicht nur meist in den Schulferien vor Ort, sie sind auch insgesamt längere Zeit aktiv als jeweils die SchülerInnen- oder Elterngenerationen an der Schule (Grundschule bei Einzelkindern max. vier Jahre). Und sie sind nicht nur besonders motiviert und zuverlässig, sondern eben auch kompetent. Sie sollten daher nicht nur als PatInnen „eingespannt“, sondern von vornherein als SeniortrainerInnen an der Planung und Gestaltung des Gartens und der ihn betreffenden Bildungsarbeit beteiligt werden. Aus einfachen Schulgärten werden so „GenerationenSchulGärten“.

2007: Der Garten Herlet kommt ins Spiel

In diesen Gesprächen fand sich schließlich auch eine Institution, die die Idee so gut fand, dass sie sich bereiterklärte, die Trägerschaft über das Projekt zu übernehmen: Der Landesverband Rheinland-Pfalz des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland). Im April 2007 fand ein erstes Gespräch bei der frisch gegründeten Buga gGmbH statt, in der diese ein großes Interesse an dem Projekt äußerte. Anwesend bei diesem Gespräch war auch eine Vertreterin des Eigenbetriebs Grünflächen der Stadt Koblenz. Nach dem Gespräch ruhte die Projektidee für eine Weile, weil Frau Goldschmidt eine Babypause eingelegt hat.

Bei einem Spaziergang mit dem Kinderwagen begegnete Frau Goldschmidt dem stellvertretenen Werksleiter des Eigenbetriebs Grünflächen, Herrn Kohns. Dieser spricht sie auf das Treffen mit der Buga-Verwaltung an, von dem ihm seine Kollegin erzählt hat. Ihm sei, als er von dem Konzept „GenerationenSchulGärten“ gehört habe, sofort die Idee gekommen, dass sich der Garten Herlet in der Koblenzer Altstadt als Fläche für einen GenerationenSchulGarten gut eignen würde.

2008: Die Konzeptionsphase

Anfang 2008 wurden erste Gespräche mit dem Schulverwaltungsamt der Stadt Koblenz geführt, die als Schulträger der meisten Koblenzer Schulen auch für die Schulaußengelände zuständig ist. Der Kulturdezernent der Stadt und der Leiter des Schulverwaltungsamtes sind sehr angetan von der Idee und sichern dem Projekt Unterstützung zu – soweit es die (v.a. finanziellen) Möglichkeiten des Amtes zulassen. Insbesondere gefiel ihnen auch die Idee, den Garten Herlet zu einem GenerationenSchulGarten zu entwickeln. In der Folge stellte sich übrigens immer wieder heraus, dass der Garten Herlet gerade für potenzielle Förderer und Sponsoren, aber auch für die Presse, das „Zugpferd“ für ihr Interesse an dem Projekt ist.

Das Schulverwaltungsamt lud dann alle interessierten Schulen zu einer Informationsveranstaltung am 16.04.2008 in das Rathaus ein. Hier entstand quasi die „Keimzelle“ des heutigen GenerationenSchulGarten-Netzwerks.

Kurz darauf, am 07.05.2008, fand eine erste Begehung des Garten Herlet statt, nachdem im Vorfeld potenziell an einer Mitnutzung interessierte Institutionen angesprochen wurden – und alle äußersten lebhaftes Interesse! Ergebnis dieses Treffens war ein Grobkonzept für die gemeinschaftliche Nutzung des Gartens, das in das Gesamtkonzept des GenerationenSchulGarten-Netzwerks integriert wurde – mit dem Ziel, den Garten Herlet zum Zentrum des Netzwerkes und zum überregionalen Modell- GenerationenSchulGarten zu entwickeln.

Ende Mai bewarb sich der BUND mit der Projektidee bei einem Ideenwettbewerb der Koblenzer Bürgerstiftung zum Thema „Bevölkerungsentwicklung“.

Gleichzeitig wurde nach potenziellen Förderern des Projektes gesucht. Gleich die beiden ersten Anfragen – bei der DBU und beim MUFV – waren erfolgreich. Man interessierte sich dort so für das Projekt. Am 28.08.2008 wurden Vertreter dieser beiden Organisationen nach Koblenz eingeladen, um ihnen vor Ort das entstehende Netzwerk und den Garten Herlet zu präsentieren und von ihnen eine Rückmeldung zur Projektidee sowie zu inhaltlichen Voraussetzungen für die Antragstellung zu erhalten.

Eine dieser Anforderungen der Förderer war, dass vor einem formellen Förderantrag zusammen mit den Akteuren Struktur und Aufgaben eines GenerationenSchulgartenNetzwerks genauer beschrieben werden sollten. Daher wurde am 28.10.2008 ein Workshop in der Grundschule Metternich-Oberdorf veranstaltet, in dem außer diesem Thema auch über die Art und Weise der Qualitätssicherung im Projekt diskutiert wurde.

Schließlich wurden am 22.12.2008 die Förderanträge bei der DBU und beim MUFV eingereicht.

2009: Die Qualifizierungsphase

Gleich zu Anfang des Jahres 2009 beschloss der Stadtrat der Stadt Koblenz, dass der Garten Herlet nicht bebaut, sondern zum GenerationenSchulGarten entwickelt werden soll. Dies war ein wesentlicher Schritt für die weitere Projektentwicklung, denn ohne den Garten Herlet als GenerationenSchulGarten hätte das Konzept wohl nicht ausreichend Attraktivität für die Förderinstitutionen gehabt! Maßgeblich beteiligt daran, dass es zu diesem Beschluss gekommen ist, war die politische Lobby-Arbeit des Koblenzer Seniorenbeirates!

Kurz nach dem Beschluss des Stadtrates begannen im Garten Herlet die Räumungsarbeiten – unter der Leitung des Eigenbetriebs Grünflächen, durchgeführt als Qualifizierungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose von der CarMen gGmbH. Damit wurde der Garten Herlet bereits für den Sommer 2009 nutzbar. Dass im Garten Herlet im Sommer 2009 bereits Kinder der beteiligten Schulen Blumen und Gemüse gesät und gepflanzt und ihre Beete gepflegt haben; dass dort im Sommer 2009 schon die BewohnerInnen des nahe gelegenen Alten- und Pflegeheimes den Kindern bei der Arbeit zugesehen und sie mit Geschichten oder mit Getränken versorgt haben: das hat allen gezeigt, dass ein GenerationenSchulGarten Herlet möglich ist!

Außerdem erstellte 2009 Frank Bersch, ein Lehramts-Student der Universität Koblenz, seine Examensarbeit zum Thema „Der ‚Garten Herlet‘ in Koblenz – vom Privatgelände zur Nutzung als GenerationenSchulGarten“ – ein erstes Ergebnis der Kooperation mit der Universität.

Am 05.03.2009 wurde dem Projekt „GenerationenSchulGärten der 2. Preis im Ideenwettbewerb „Bevölkerungsentwicklung“ der Koblenzer Bürgerstiftung verliehen. Der Preis war mit 2.000 EUR dotiert. Damit gehörte das Projekt zusammen mit den anderen der ersten vier Preisträger zu den „Leuchtturmprojekten“, die seitdem von der Bürgerstiftung weiterhin begleitet und unterstützt werden.

Am 14.05.2009 fand eine Planungswerkstatt für den Garten Herlet statt, in der die künftigen Nutzer von Ideen zur Gartengestaltung sammelten und diskutierten, Sammlung, Eckpunkte eines Nutzungskonzeptes erarbeiteten und Voraussetzungen für den dauerhaften Betrieb beschrieben. Die hier gefassten Beschlüsse sind die Grundlage der weiteren planerischen und organisatorischen Entwicklungen des Garten Herlet. So wurden u.a. die Grundlagen für die Gartengestaltung festgelegt und die Gründung eines Trägervereins beschlossen.

Im Rahmen einer Projektwoche zum Thema „Zusammenleben der Generationen“ besuchte eine Gruppe mit SchülerInnen der 6. Klasse des Koblenzer Cusanus-Gymnasiums am Vormittag des 02.07.2009 das Alten- und Pflegeheim der Stiftung ELTZERHOF. Am Nachmittag kamen die SchülerInnen dann in den Garten Herlet, um bei einem Arbeitseinsatz ihren Beitrag dazu zu leisten, dass der Garten für die BewohnerInnen des Altenheims attraktiv bleibt.

Am 30.11.2009 wurde in den Räumen des Alten- und Pflegeheims der Stiftung ELTZERHOF der Verein „GenerationenSchulGärten Koblenz e. V.“ gegründet. Er dient zur Sicherung einer Trägerstruktur für die dauerhafte Nutzung des Garten Herlet und für das GenerationenSchulGarten-Netzwerk Koblenz.

Auf der Basis der Ereignisse in der Qualifizierungsphase 2009 wurden im Dezember 2009 aktualisierte Anträge an das MUFV und die DBU geschickt.

2010: Der Projektstart

Nach einer längeren Bearbeitungszeit kamen im Mai 2010 die Bewilligungsbescheide der beiden Förderinstitutionen. Inzwischen hatte sich bei der Projektinitiatorin schon wieder Nachwuchs eingestellt, so dass das Projekt im Juni mit einer Elternzeitvertretung startete. Heute arbeiten beide gemeinsam in dem Projekt.

Am 03. Und 04.09.2010 fand die Auftaktveranstaltung „Auf in den Garten“ mit Pressekonferenz in der Diesterwegschule statt. Sie diente nicht nur dem Kennenlernen und der offiziellen „Gründung“ des Netzwerks, sondern es wurden auch schon viele inhaltliche Fragen, z.B. nach der Homepage oder dem Fortbildungsbedarf geklärt.